Infos zum Codec MJPEG

 

Geschichte vom Codec MJPEG

Bevor es den DV-Codec gab, wurde standardmäßig mit MJPEG gearbeitet. Zu Beginn der Videoschnittzeiten war der Codec zwar noch hauptsächlich auf Hardware (Capture-Karten) angewiesen, doch im Laufe der Zeit wurde er davon immer unabhängiger. Auch heute ist der Codec noch sehr interessant für den Schnitt und die Archivierung von Videos.

Grundsätzliche Informationen zum Codec MJPEG

MJPEG, auch Motion JPEG genannt, ist nahezu identisch mit dem Photo JPEG-Codec, lediglich die Tatsache, dass MJPEG sogenannte Übersetzer integriert hat, um verschie- dene Videocapture-Karten zu bedienen, unterscheidet die beiden. Aus diesem Grund existieren auch MJPEG A und MJPEG B. A und B stehen jeweils für unterschiedliche Videocapture-Karten, die wiederum nur bestimmte Arten von MJPEG unterstützen. Ein weiterer Unterschied ist, dass MJPEG B-Videos nicht mehr kompatibel zum standardisierten JPEG-Format sind. Bilder können deshalb nicht einfach so innerhalb des Videos bearbeitet werden, ohne dass die grundsätzlichen Informationen im Header der Videodatei geändert werden.

Technische Daten zum Codec MJPEG

MJPEG arbeitet mit Spatial Compression. Aufgrund seiner I-Frame-only-Struktur eignet er sich sehr gut für das Videoediting. MJPEG arbeitet mit bis zu 24 bit Farbtiefe oder 8 bit im Graustufenmodus und codiert mittels DCT. Er speichert prinzipiell jedes einzelne Videobild als 4:2:2-JPEG.

Die einzige Einstellungsmöglichkeit bei MJPEG ist der Qualitätsregler. Zwischen 85 und 100% Qualität kann man von visuell verlustfreien Bildern ausgehen. Wenn man MJPEG für das Internet verwenden möchte, sollte man Datenraten von 5 bis 20 kByte anwenden. In jedem Fall erreicht man damit eine wesentlich bessere Qualität als bei gleichwertiger Cinepak-Codierung. Ab 3 Mbyte/s erreicht man mit MJPEG S-VHS-Qualität.

Interessant zu wissen ist, dass Filme mit zu hoher Bildrate und/oder zu großer Auflösung nicht flüssig wiedergegeben werden, da der Codec sehr rechenintensiv ist. Was in jedem Fall vermieden werden sollte, ist die Mehrfachkomprimierung eines Films mit MJPEG. Jedes Mal geht dabei Qualität verloren. Dies ist schon nach zwei- bis dreimaligem Komprimieren sichtbar.

Bei filigranen Grauverläufen treten die Schwächen des Codecs zu Tage. Die Verläufe werden nicht ohne sichtbare Abstufungen dargestellt. Bei scharfen Kanten tritt ein leichtes Aliasing auf.

Anwendungsgebiete des Codecs MJPEG

Der Codec dient der Archivierung von Videos. Zwar ist er verlustbehaftet, dennoch ist dies so gering, dass man große Videos mit verhältnismäßig geringer Dateigröße speichern kann. Auch für den Schnitt eignet er sich aufgrund seiner I-Frame-only-Struktur sehr gut.

4CCs des Codecs MJPEG

MJPG, mJPG, DMB2, Ljpg, LCW2, LJ2K, PJPG, SP54

Qualität des Codecs MJPEG (in Schulnoten)

- Qualität - - Codiergeschwindigkeit - - Dateigröße -
SD 1 1 4
HD 1 1 4

 

© 2011 Ralf Biebeler. Das Buch Video Codecs ist erschienen im Verlag Schiele & Schön in Berlin.